Mikronährstoffanalyse bei chronischen Schmerzerkrankungen

Warum Nährstoffe in der Schmerztherapie eine größere Rolle spielen, als viele denken

Chronische Schmerzen sind selten ein rein strukturelles Problem. Wer täglich mit Menschen mit anhaltenden Beschwerden arbeitet – ob in der Physiotherapie, Ergotherapie oder Yogatherapie – weiß: Schmerz entsteht im Zusammenspiel von Nervensystem, Stoffwechsel, Bewegung, Psyche und Umweltfaktoren.

Ein Aspekt, der dabei oft unterschätzt wird, ist die Versorgung mit Mikronährstoffen.

Chronische Schmerzen – ein Zustand erhöhter Belastung

Menschen mit chronischen Schmerzen befinden sich häufig in einem Zustand dauerhafter physiologischer und psychischer Belastung. Stress, Schlafstörungen, reduzierte Bewegung, Medikamente und Entzündungsprozesse erhöhen den Bedarf an bestimmten Mikronährstoffen erheblich.

Gleichzeitig zeigen viele Betroffene:

  • eingeschränkte Verdauung

  • verminderte Resorption

  • einseitige Ernährung

  • reduzierte körperliche Aktivität

Das Ergebnis: funktionelle Nährstoffdefizite, die bestehende Beschwerden aufrechterhalten oder verstärken können.

Was ist eine Mikronährstoffanalyse?

Eine Mikronährstoffanalyse erfasst die Versorgung mit wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und Fettsäuren. Sie liefert Hinweise darauf, ob dem Körper jene Bausteine fehlen, die für:

  • Nervenfunktion

  • Muskelarbeit

  • Bindegewebsstoffwechsel

  • Entzündungsregulation

  • Energieproduktion

notwendig sind.

Wichtig: Eine solche Analyse ersetzt keine medizinische Diagnostik, kann aber funktionelle Zusammenhänge sichtbar machen, die im klassischen Therapiealltag oft unbeachtet bleiben.

Relevante Mikronährstoffe bei chronischen Schmerzen

In der Arbeit mit chronischen Schmerzerkrankungen zeigen sich immer wieder Defizite in Bereichen wie:

  • Magnesium – Muskelspannung, Nervenleitung, Stressregulation

  • B-Vitamine – Energie, Nervensystem, Schmerzverarbeitung

  • Vitamin D – Entzündungsmodulation, Muskel- und Knochengesundheit

  • Zink – Gewebereparatur, Immunsystem

  • Omega-3-Fettsäuren – entzündungsregulierende Prozesse

Diese Nährstoffe wirken nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit Bewegung und nervaler Regulation.

Warum Mikronährstoffmangel Schmerz verstärken kann

Ein Mangel an Mikronährstoffen kann:

  • die Reizverarbeitung im Nervensystem verändern

  • Muskelspannung und Ermüdung fördern

  • Regenerationsprozesse verlangsamen

  • Entzündungsprozesse begünstigen

  • die Wirksamkeit von Bewegungstherapie reduzieren

Gerade bei Patientinnen mit Fibromyalgie, chronischen Rückenschmerzen, Migräne, myofaszialen Schmerzen oder stressassoziierten Beschwerdebildern lohnt sich daher ein differenzierter Blick.

Mikronährstoffe in der therapeutischen Praxis – keine Ernährungsberatung, sondern Einordnung

Für Therapeutinnen stellt sich häufig die Frage:
Darf ich mich überhaupt mit Ernährung und Mikronährstoffen beschäftigen?

Die Antwort liegt in der klaren Haltung:

  • nicht beraten

  • nicht therapieren

  • nicht verordnen

sondern verstehen, einordnen und interdisziplinär begleiten.

Eine fundierte Mikronährstoffanalyse kann helfen:

  • Therapieprozesse besser zu erklären

  • Belastungsgrenzen realistischer einzuschätzen

  • Bewegung dosierter einzusetzen

  • Patienten Orientierung zu geben

Bewegung, Nervensystem und Mikronährstoffe – ein gemeinsames System

Bewegung ist einer der stärksten Regulationsreize im menschlichen Körper. Gleichzeitig benötigt jede Anpassung – ob muskulär, faszial oder neuronal – biochemische Voraussetzungen.

Ohne ausreichende Nährstoffverfügbarkeit bleiben viele therapeutische Effekte hinter ihren Möglichkeiten zurück. Umgekehrt kann eine verbesserte Versorgung die Wirksamkeit von Bewegung, Atemarbeit und aktiver Therapie deutlich unterstützen.

Warum dieses Wissen für Fortbildungen in der Schmerztherapie entscheidend ist

Moderne Schmerztherapie erfordert mehr als Techniken. Sie braucht:

  • systemisches Denken

  • Verständnis für Stoffwechselprozesse

  • Sicherheit im interdisziplinären Arbeiten

Fortbildungen, die Bewegung, Nervensystem und Mikronährstoffe zusammen denken, ermöglichen Therapeutinnen:

  • fundierter zu argumentieren

  • Patienten besser abzuholen

  • Therapie nachhaltiger zu gestalten

Fazit

Die Mikronährstoffanalyse ist kein Allheilmittel – aber ein wertvolles Puzzleteil im komplexen Bild chronischer Schmerzen. Richtig eingeordnet, kann sie helfen, Therapieprozesse besser zu verstehen, individueller zu gestalten und nachhaltiger wirksam zu machen.

Gerade für Therapeutinnen, die moderne, biopsychosoziale und regulationorientierte Schmerztherapie anbieten möchten, ist dieses Wissen heute unverzichtbar.

Weiter
Weiter

Phantomschmerz – Wenn der Schmerz bleibt, obwohl der Körper fehlt